Vom verdammt langen Tal und dem höchsten Berg der Welt
Von hier aus konnten wir bereits unser Ziel, den Ortler sehen. Nach einem weiteren Pass mit unzähligen Serpentinen, dem Stilfser Joch, waren wir abends gegen 8 Uhr dann auch endlich vollzählig am Ausgangsort für unsere Akklimatisierungstour angelangt. Von Niblogo traten wir noch diesen Abend den Aufstieg zum Rifugio V Alpini am hinteren Ende des Zebrutales an. Erst hatten wir noch mit der Möglichkeit ein Jeep-Taxi zu nehmen geliebäugelt, aber nachdem die Verhandlungen mit dem Taxifahrer eher schlecht verliefen und der Preis dadurch immer teurer statt billiger wurde, entschieden wir uns doch für den langen Fußmarsch. Der Marsch schien endlos und war nicht sehr abwechslungsreich, wir waren alle froh, dass es dunkel war, dadurch kam einem die immerhin gut 12km lange Strecke nicht gar so weit vor. Irgendwann nach gut zwei Stunden erschien ein leuchtender Stern am Himmel – ganz weit über uns. Als sich herausstellte, dass dieser Stern das Licht unserer Hütte war, mussten wir feststellen dass es immer noch sehr weit ist. Nach weiteren zwei Stunden kamen wir um halb eins auf der Hütte an, wo uns der Hüttenwirt bereits erwartete.


Dort ging es mehr oder weniger ausgesetzt über brüchigen Fels und zum Schluss noch ein Stück über einen Firngrat zum Gipfel des Monte Zebrù (3735m). Oben hatten wir eine super Fernsicht und ließen uns gemütlich zu einer ausgedehnten Mittagsrast nieder.

Beim Abstieg merkten wir dann unseren Fehler. Die am Morgen noch so stabilen Schneebrücken waren nun schon sehr sulzig und so hatten wir doch mit einigen fragwürdigen Spaltenüberquerungen (oder Unterquerungen ;-)) zu kämpfen.
Zurück an der Hütte tranken wir unser Gipfelbier und faulenzten noch ein wenig im Sonnenliegestuhl. Noch am selben Tag machten wir uns von der Hütte aus auf den Abstieg zurück zu den Autos. Wir hatten für den nächsten Tag schließlich noch Programm. Zu sagen ist, dass das Tal einem im Dunkeln deutlich kürzer vorkommt. (Das Leuchten der Hütte im Dunkeln sah immer so nah aus). Auf dem Parkplatz haben wir uns erstmal mit Nudeln gestärkt und dann unser Nachtlager hinter den Autos aufgeschlagen. Dies erwies sich schon bald als fataler Fehler, denn zur Ruhe kam man hier wirklich nicht! Entweder lautstark unterhaltende Italiener, die Dorfjugend auf dem Mofa oder Autos von denen man jedes Mal Angst hatte im Schlafsack liegend überfahren zu werden hielten uns die Nacht über wach. Höhepunkt der schlaflosen Nacht war allerdings als ein kleines italienisches Kind, welches nichts ahnend hinter den Autos rumrannte und dabei über die Nora stolperte. Das arme Kind lag völlig verdattert da, stand wieder auf und entschuldigte sich ständig, während wir nur noch am Lachen waren und Nora schimpfte.
Am nächsten Morgen ging es zurück über das Stilfser Joch nach Sulden, wo wir den Aufstieg zum Ortler begonnen. Unser Basislager hier war die Payerhütte auf 3029m. Sie ist sehr geräumig und hat auch lecker Essen. Das Schiwasser ist sehr lecker und eine Bouillon mit Ei ist wirklich eine Suppe mit Ei! Nach dem Abendessen lasen wir noch ein paar herumliegende Zeitungen und genossen die tolle Abendstimmung vor der Hütte.



Zeitig am nächsten Tag hieß es aufstehen und fertig machen. Gestärkt vom Müsli ging es mit Stirnlampe ausgerüstet los. Die ersten paar hundert Meter bestehen aus stellenweiße luftiger Gratkletterei im 2. bis 3. Schwierigkeitsgrad, wobei die schwierigen Stellen mit Ketten versichert sind. Danach mussten wir Steigeisen anziehen und über das erste vergletscherte Stück zur Biwakschachtel aufsteigen. Die Gruppe, die wir am späten Nachmittag des Vortags haben absteigen sehn, hat dort wohl eine etwas ungemütlichere Nacht verbracht als wir…Nach der Schachtel gab es noch einmal einen Aufschwung mit einer ziemlich beeindruckenden Spalte und dann befanden wir uns auf dem oberen Ortlerplatt.

Wie der Name schon sagt ging es von dort an relativ flach zum Gipfel (3905m), den wir um 9 Uhr erreichten. Diesmal war die Gipfelrast nicht so ausgedehnt. Es wurde schnell was gegessen und dabei das Panorama genossen. Der Blick reichte von den umliegenden Bergen (Monte Cevedale, Grand Zebrù, Monte Zebrù) bis zum Berninagebiet, den Ötztalern und vielen mehr!


Nach dem obligatorischen Gipfelfoto machten wir uns an den Abstieg. Um halb 1 waren wir zurück bei der Hütte. Nach einer Pause und einigen Leckereien vor der Hütte gings komplett ins Tal zurück. Und wir entschieden uns gleich noch weiter zurück nach Garmisch zu fahren. Der Steg am Reschensee war einfach zu verlockend, um vorbeizudüsen und so sprangen wir noch mal ins erfrischende Nass. Nach dem Baden düste Ama wieder richtung Isny. In Österreich haben wir noch was zum Abendbrot eingekauft, weil es nun doch auch schon später wurde. Das hielt uns aber nicht davon ab, noch kurz vor Garmisch schnell in die Loisach zu hüpfen. Eigentlich müsste man legen sagen, da sie nur knapp 30cm tief ist. Gebadet ist aber gebadet. Abends haben wir gut aufgekocht und sind mit vollen Mägen schlafen gegangen.
Am nächsten Tag vergnügten wir uns im Eibsee und quälten uns beim Klettern am brüchig-speckigen Fels bei Ehrwald. Gegen Mittag dann verabschiedeten wir uns von Nora und fuhren zurück nach Nürnberg.
Christian & Beni im Septemper 2009


