
Nasebohren auf der Nürnberger Hütte (11.9.-13.9.09)

Nun wurde erstmal die Ausrüstung sortiert und dann wärmten wir uns in der Gaststube auf und warteten auf besseres Wetter. Viel besser wurde es allerdings nicht und unser Drang führte uns schließlich trotz 4°C und dichtem Nebel zu einer Felswand unterhalb der Urfallspitze, wo wir in den nächsten Tagen einige neue Kletterouten erschießen wollten.

Bereits 2008 hatten Carsten L. und Dirk hier schon drei Sportkletterrouten eingerichtet. Wir wollten also den angefangenen Klettergarten erweitern um die Nürnberger Hütte noch ein Stück attraktiver für Kletterer zu machen. Der neue Klettergarten an der Urfallspitze soll eine lohnende Ergänzung zum bereits bestehenden Klettergarten und Klettersteig, direkt oberhalb der Hütte werden.

Von den bereits bestehenden Touren arbeiteten wir uns in neue Wandteile vor und suchten nach schönen Kletterlinien. Hatten wir einen guten Weg gefunden, so wurde zuerst das lose Gestein aus der Wand entfernt und anschließend beim Ausbouldern nach den besten Hakenpositionen geschaut. Die Stellen, an denen ein Haken gesetzt werden sollte, markierten wir mit Chalk, so dass wir auch vom Wandfuß noch einmal die Hakenabstände prüfen konnten. War alles soweit vorbereitet ging es ans Bohren. Wir setzten Bohrlaschen mit Spreizankern, welche mit dem Hammer in den Fels geschlagen werden.



Es wurde ein langer Tag, insgesamt acht Stunden verbrachten wir in der Wand. Panorama hatten wir dabei leider keines, da uns wieder eine dichte Nebelsuppe umgab. Wir räumten unter anderem einen Riesenblock aus der Wand, der bis dahin gefährlich locker weit oben im Fels stand. Außerdem verstümmelte ich meine Hände, wobei ich das Ausmaß der Verstümmelung aber wegen der Kälte kaum bemerkte, erst in der warmen Hütte...

Der Tag klang bei reichhaltigem Essen, einer Hüttengaudi und einem Schnäpschen beim Plausch mit dem sympathischen Hüttenwirt aus.
Kaum zu Glauben, aber an diesem Morgen sah das Wetter gar nicht sooo schlecht aus, es waren sogar blaue Flecken am Himmel zu erkennen.

Voll motiviert starteten wir also recht bald zur Wand. Wir erhofften uns endlich auch mal die eine oder andere der neuen Routen klettern zu können, doch der Sprühregen, der später einsetzte verhinderte den Versuch zu Klettern erneut.



So schafften wir es an diesem Wochenende insgesamt fünf neue Routen unter miesen Bedingungen einzubohren und weitere zwei Routen anzufangen. Die Erstbegehungen stehen leider alle noch aus, aber die Schwierigkeitsgrade (im trockenen Zustand :)) dürften sich wohl zwischen 5 und 7 bewegen. Carsten L., Michi und ich machten und spät Nachmittags an den Abstieg zurück ins Tal und fuhren anschließend heim. Dirk und Carsten W. gaben die Hoffnung auf besseres Wetter noch nicht auf und blieben noch länger oben, um etwas weiterzuarbeiten.

Nachtrag oder die Hoffnung stirbt zuletzt:
Beni, Michi und Carsten L. hatten bei ihrer Abreise ihre Seile hängen lassen, damit wir am nächsten Tag gleich weiterarbeiten konnten. Doch am Montag morgen wurde ich mit dem Ausruf "Schnee" geweckt. Beim Blick aus dem Fenster erwartete ich eine leicht überzuckerte Landschaft - stattdessen mehrere Zentimeter Schnee.

Da die vom Vortag durchnässten Seile vermutlich gut durchgefroren war und wir immer noch auf die angekündigte Wetterbesserungen hofften, vertagten wir die Bergung des Materials und die vorzeitige Abreise.
Doch so ein Tag ist für motivierte Routeneinbohrer die reinste Tortur und scheint kein Ende zu nehmen:
5cm Schnee: Kaffeesahnekuchen und Kakao
6cm Schnee: wir reparieren die Duschvorhänge
7cm Schnee: Kaspressknödel
8cm Schnee: wir überlegen eine Kletterroute in die Aussenwand der Hütte einzubohren - allerdings ist unsere Hütte besser verfugt als die Braunschweiger Hütte (die haben sowas)
10cm Schnee: Kürbiscreme-Suppe (sehr zu empfehlen)
11cm Schnee: Rindergulasch mit Semmelknödel
Es schneit immer noch...wir gehen lieber ins Bett.
Am nächsten Morgen bessert sich tatsächlich das Wetter und zum ersten Mal scheint die Sonne am großteils blauen Himmel. Allerdings ist es nur 2 Grad warm und der Wind blässt uns mit 60 bis 80km/h um die Ohren. Mit eiskalten Finger setzten wir nur noch wenige Haken und bergen das Material.



Dirk Wimmer im September 2009


